Gerda tropft

Behutsam und äußerst vorsichtig tropft Gerad tröpfchenweise die hochdosierten Schlaftabletten in den Nachmittagstee und stellt die Tasse zu dem selbstgebackenen Kuchen. Keine Träne hat sie mehr. Ihr Heinz hat heute Morgen ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt.
Er sprach von Sehnsucht und von Leidenschaft.
Er sprach von Warteschleifen, in deren er seit Jahren auf ein Fünkchen Liebe von ihr wartet. Er sprach von seinen Tränen in der Nacht. Und dann sprach er von wiedererwachter Leidenschaft mit Luisa aus der Nachbarschaft
Gerda darf gar nicht weiterdenken und streicht ihr schwarzes Kleidchen glatt.
Zuckersüß macht sie ihm nun den Tee, den Heinz jetzt gerade trinkt und dazu ein Stückchen Kuchen nimmt.  Verstohlen schaut er seine Gerda an, was ist sie tapfer, monoman. Gerne nimmt er noch einen Tee und auch noch Kuchen, der heute mal ganz anders schmeckt. Die Gerda hat auch in betropft, der Heinz ist jetzt schon ziemlich vollgestopft …
Jetzt will er nur noch schlafen, kippt praktisch auf dem Sofa um, kehrt wie aus einer anderen Welt zurück als Gerda ihn später dann zur Tageschau  wieder weckt.
Das Bier, es steht schon auf dem Tisch, die Brotzeit sieht so lecker aus, mit Meerrettich und Senf darauf. Heinz schluckt und trinkt, wie das mal wieder schmeckt …, doch ab morgen wird für Luisa abgespeckt.
Den Gedanke n kann er fast nicht mehr zu Ende denken, muss wieder zurück aufs Sofa sinken, schläft lächelnd ein und Gerda lässt ihn jetzt allein.
Sie legt sich schlafen, der Hass fährt ein in ihrem Herzen und am nächsten Morgen ist der Heinz ganz bleich und liegt so still. Mit einem Lächeln um die Lippen,  sagt aber nicht mehr, was er will und Luise ihre Nachbarin sieht hinter der Gardine stehend nun auch den Leichenwagen an Heinzis Haus vorfahren

vanga

Schreibwerkstatt 01.03.2021

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