Im Gewölbekeller riecht es nach Blut. Ohnmächtig und an dicke Ketten gefesselt hängt das Opfer Kopfüber nur Millimeterhoch über dem Boden. Das Geräusch vom Tropfen lässt alle erstarren. Der Arm fehlt, ein Bein hängt ab dem Knie nur noch an ein paar Hautfetzen, der Knochen durchtrennt … Tropf, Topf und schweigende Stille.
Zwei Etagen darüber hat Jeremy den Kaffeetisch gedeckt. Ein Apfelkuchen steht zum Erkalten auf den Fenstersims. Nicht nur Puderzucker soll noch drüber – aber dazu später.
Jeremy hat geduscht und seinen athletischen Körper sorgsam eingeölt. Immer wieder posiert er vor dem Spiegel und was seine Augen sehen, gefällt ihm sehr sehr gut. Ungern zieht er sich jetzt an. Nicht nur sein Kopf hat noch etwas anderes für den Nachmittag im Hintersinn*. Der Prosecco steht bereit, als es an der Türe klingelt.
Erna braucht Kartoffeln. Die alte Frau wischt sie die Hände an der Kittelschürze ab und schnappt sich seufzend die alte gelbe Schüssel. Dann muss sie wohl in den Keller. Erwin macht das ja sonst immer, aber der liegt auf der Coach und schnarcht. Leise schließt Erna die Haustür und humpelt die Treppen hinunter…. als Erwin plötzlich drohend hinter ihr steht. „Lass das, geh wieder hoch“, bellt er sie an.“ich hole die Kartoffeln Erna“ und sie sieht wie seine Unterlippe unruhig zittert, während sie ein komisches Gefühl beschleicht …..
vanga
Schreibwerkstatt Juni 2026